Kinderarbeit im Kakaoanbau

Noch immer arbeiten rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika. Dabei hatte sich die Schokoladenindustrie selbst zum Ziel gesetzt, die Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren.

Was bedeutet „Kinderarbeit“?

Child Labour and Chocolate, Kinderarbeit und Schokolade
© Jessica Dimmock / VII / Redux / LAIF

Nicht alle Formen von Kinderarbeit sind problematisch. Auch in Deutschland ist es üblich, dass Kinder nach der Schule einige Stunden in den landwirtschaftlichen Betrieben ihrer Eltern mitarbeiten.

Verboten sind jedoch gemäß den Konventionen 138 und 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) alle Formen von Zwangsarbeit und Kindersklaverei sowie alle Formen von Arbeit, die sich schädlich auf die Sicherheit oder die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern auswirken können.

Kinderarbeit noch immer an der Tagesordnung

In der Côte d'Ivoire und Ghana, den beiden Hauptanbauländern von Kakao, arbeiten etwa 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen – das sind 45 Prozent der Kinder in landwirtschaftlichen Haushalten in den Kakaoanbaugebieten.

Zu den gefährlichen Tätigkeiten, die Kinder im Kakaoanbau ausführen, zählen zum Beispiel das Tragen zu schwerer Kakaosäcke, die Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen wie zum Beispiel Macheten, oder das Versprühen von gefährlichen Pestiziden. Außerdem sind im Kakaoanbau in Westafrika rund 10.000 Kinder von Kinderhandel und -sklaverei betroffen. Viele der Kinder werden aus den Nachbarländern Mali und Burkina Faso in die Côte d'Ivoire verschleppt und dort zur Arbeit auf Kakaoplantagen gezwungen.

 

Kinderarbeit hängt mit Armut zusammen

Die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern lebt deutlich unter der Armutsgrenze. Das Einkommen einer durchschnittlichen Kakaobauernfamilie in der Côte d'Ivoire müsste sich zum Beispiel verdreifachen, um existenzsichernd zu sein. Aufgrund ihres geringen Einkommens können es sich die Bäuerinnen und Bauern häufig nicht leisten, erwachsene Arbeitskräfte zu bezahlen. Stattdessen müssen die eigenen Kinder bei der Ernte helfen.

Neben der Armut gibt es noch weitere Gründe für die Kinderarbeit. Dazu zählen etwa ein mangelhafter Zugang zu Bildungseinrichtungen in den Kakaoanbaugebieten sowie ein fehlendes gesellschaftliches Problembewusstsein.

Gebrochene Versprechen der Industrie

Bereits im Jahr 2001 unterzeichneten Vertreter der Schokoladenindustrie, darunter Nestlé, Mars und Ferrero, eine freiwillige Vereinbarung – das nach zwei US-Senatoren benannte Harkin-Engel-Protokoll. Darin versprachen die Unternehmen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht und in den Folgejahren mehrfach revidiert. Zuletzt strebte die Industrie an, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren. Doch auch dieses Ziel haben die Unternehmen verfehlt: Im Oktober 2020 kam eine Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums zu dem Ergebnis, dass die Kinderarbeit trotz der bisherigen Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen hat. Im Gegenteil: Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit ist in den letzten zehn Jahren sogar gestiegen.

 

Mehr Informationen:

Infoblatt 5 „Kinderarbeit – die bittere Seite der Schokolade“