Riesen Erfolg: Schokoindustrie geht auf Forderungen von Make Chocolate Fair! ein

Die Übergabe der insgesamt 122.826 Unterschriften von Make Chocolate Fair! an den Dachverband der Europäischen Süßwarenhersteller hätte besser nicht laufen können: Genau in dem Moment, als das legendäre Schokomobil bei seiner letzten Station vor dem Hauptsitz von CAOBISCO in Brüssel Halt machte, riss die Wolkendecke auf und strahlender Sonnenschein hieß die AktivistInnen aus zwölf europäischen Ländern Willkommen!

Auch die CAOBISCO Geschäftsführerin, Sabine Nafziger, begrüßte die Make Chocolate Fair! VertreterInnen herzlich und überbrachte ihnen eine sensationelle Nachricht! Die europäische Schokoladenindustrie hat sich zum ersten Mal öffentlich dazu bekannt, sich an der Berechnung eines existenzsichernden Einkommens für Kakaobauernfamilien zu beteiligen. Damit gehen die Schokoladenunternehmen nach zwei Jahren intensiver Kampagnenarbeit auf eine der zentralsten Forderungen von Make Chocolate Fair! ein. Eine transparente Berechnung für ein existenzsicherndes Einkommen ist eine entscheidende Grundlage dafür, dass Bäuerinnen und Bauern einen fairen Preis für ihren Kakao erhalten. „Das ist ein großartiger Erfolg für unsere Kampagne und vor allem für die Kakaobäuerinnen und -bauern weltweit“, sagt Evelyn Bahn von INKOTA sichtlich begeistert. „Alle zusammen haben wir es geschafft, dass die Schokoladenunternehmen die kritischen Stimmen europäischer Verbraucherinnen und Verbraucher nicht länger ignorieren konnten. Das zeigt, wie wichtig und wirksam öffentlicher Druck in der Auseinandersetzung um globale Gerechtigkeit ist.“

Sabine Nafziger versprach bei der Übergabe außerdem, dass europäische Schokoladenunternehmen ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit beschleunigen werden. „Make Chocolate Fair! wird genau verfolgen, wie sich die Schokoladenindustrie diesem Thema in den nächsten Monaten annimmt“, kündigte Bahn an. „Wenn Schokoladenunternehmen den Kampf gegen Kinderarbeit wirklich beschleunigen möchten, dann müssen sie die Armut unter Kakaobauernfamilien bekämpfen. Das heißt auch, dass die Bäuerinnen und Bauern einen fairen Preis für ihren Kakao erhalten müssen. Eine transparente Berechnung eines existenzsichernden Einkommens ist dafür eine entscheidende Grundlage.“

Die Geschäftsführerin von CAOBISCO nannte zudem als wichtiges Instrument zur Zertifizierung und Rückverfolgung von nachhaltigem Kakao die Entwicklung des europaweiten CEN/ISO-Standards. Make Chocolate Fair! wertet diesen Prozess als grundsätzlich hilfreich. Es ist allerdings noch völlig offen, wie hoch die Kriterien des CEN/ISO-Standards gesteckt werden. Er darf auf keinen Fall hinter den bereits bestehenden Standards von Fairtrade, UTZ und Rainforest Alliance zurückfallen.  Solange ein europäischer Standard nicht existiert, müssen Schokoladenunternehmen durch unabhängige Dritte zertifizierten Kakao einkaufen. In Deutschland beträgt der Anteil "nachhaltig produzierten" Kakaos in Süßwaren derzeit 27 Prozent. Das lässt noch viel Spielraum nach oben und Make Chocolate Fair! wird sich weiter dafür stark machen, dass Schokoladenunternehmen zertifizierten Kakao verwenden.

Auch die Gewerkschafterin Marie-Jeanne N’Zore Kombo aus der Elfenbeinküste nahm an der Aktion teil. Sie war auf Einladung von Make Chocolate Fair! zuvor auf Europa-Rundreise und betonte: „VerbraucherInnen müssen Druck auf die Schokoladenunternehmen ausüben, sonst wird sich die Situation in den Kakaoanbauländern nicht verbessern. Dafür brauchen wir Kampagnen wie Make Chocolate Fair!.“

Genau deshalb wird Make Chocolate Fair! im kommenden Jahr bei den Schokoladenunternehmen nachfragen, welche konkreten Schritte tatsächlich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der KakaoproduzentInnen unternommen werden. „Wir werden überprüfen, ob den Versprechen der Schokoladenindustrie auch Taten folgen. VerbraucherInnen haben ein Recht darauf zu erfahren, ob sich für die Kakaobauernfamilien tatsächlich etwas verbessert und Schokolade wirklich fair ist“, erklärte Evelyn Bahn.