Weihnachtsmänner in ganz Europa schlagen Alarm

01.12.2014

In ganz Europa sind am 05. Dezember Weihnachtsmänner auf die Straße gegangen, um gegen Armut und Ausbeutung auf Kakaoplantagen zu demonstrieren. Der unfaire Preis für Kakao zwingt immer mehr Bauern in Westafrika dazu, ihre Farmen aufzugeben. Ohne Kakao könnte es schon bald ein Weihnachten ohne Schokolade geben. Mit Protestaktionen in über 15 europäischen Städten solidarisierten sich die Rotmützen mit den Kakaobauern und der Kampagne Make Chocolate Fair! der Entwicklungsorganisation INKOTA.

„Als ich zum ersten Mal von den Arbeitsbedingungen auf den Kakaofarmen in Westafrika gehört habe, bin ich fast von meinem Schlitten gefallen! Ich bin fassungslos, dass für die meisten Kakaobauern in Westafrika immer noch Hunger, Armut und Kinderarbeit zum Alltag gehören.“ Mit diesen Worten richtete sich ein Sprecher der Berliner Weihnachtsmänner am 05. Dezember an seine KollegInnen, die zu einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor zusammengekommen waren.

Mit seiner Empörung war der Berliner Weihnachtsmann nicht alleine: Zeitgleich gingen in über 15 europäischen Städten Rotmützen auf die Straße. In Mannheim, Rostock und Fulda, aber auch in Wien und Graz, in Prag und vielen weiteren Städten zogen wütende Weihnachtsmänner durch die Innenstädte und machten ihrem Unmut über die Arbeitsbedingungen im Kakaoanbau Luft.

In Westafrika, der Hauptanbauregion für Kakao, lebt die Mehrheit der insgesamt 5,5 Millionen Kakaobauern in bitterer Armut. Ausbeuterische Kinderarbeit und Hungerlöhne für Saisonarbeiter gehören dort zum Alltag. Grund dafür ist der viel zu niedrige Preis, den sie für ihre Kakaobohnen erhalten: Schätzungen zufolge liegt das durchschnittliche Einkommen eines Kakaobauern in Westafrika bei einem US-Dollar pro Tag. Während der Weltmarktpreis für Kakao 1980 inflationsbereinigt noch bei über 5.000 US-Dollar pro Tonne lag, ist er heute bei etwa 3.000 US-Dollar.

Die Weihnachtsmänner zeigen sich nicht nur über diese Arbeitsbedingungen entsetzt, sondern warnen auch vor einem schokoladenlosen Weihnachten: „Wenn sich die Einkommenssituation der Kakaobauern nicht deutlich verbessert, werden wir bald keine Schokolade mehr zum Weihnachtsfest verteilen können. Schlicht und einfach deshalb, weil sich die Kakaobauern aus der Produktion zurückziehen“, erklärt der Sprecher der Weihnachtsmänner. „Wir befürchten deshalb, dass es in naher Zukunft keinen Kakao mehr für unsere Schokolade geben wird!“

Das geringe Einkommen führt dazu, dass die junge Generation der Kakaobauern die Plantagen ihrer Eltern nicht mehr übernehmen will. Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter von Kakaobauern in Westafrika bei 50 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 60 Jahren droht schon bald ein Nachwuchsproblem. Prognosen zufolge wird die Nachfrage nach Kakao schon in wenigen Jahren das Angebot deutlich übersteigen. Deutschland bezieht über 70 Prozent des Kakaos aus Westafrika und wird von dem Versorgungsengpass direkt betroffen sein.

Gemeinsam mit der Kampagne Make Chocolate Fair! fordern die Weihnachtsmänner daher, dass die Schokoladenindustrie Verantwortung übernimmt und einen Kakaopreis zahlt, der den Bauern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Einige Unternehmen haben zwar mit der Umstellung auf nachhaltig erzeugten Kakao begonnen, aber in etwa 80 Prozent unserer Schokolade stecken immer noch Armut, Hunger und Kinderarbeit.