Studie der Tulane-Universität zeigt: Kinderarbeit in Westafrika nimmt weiter zu

31.07.2015

In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl von Kindern, die in der westafrikanischen Kakaoproduktion unter missbräuchlichen Bedingungen arbeiten, um 360.000 auf 2,12 Millionen gestiegen. 2,03 Millionen von ihnen verrichteten 2013/14 in Ghana und der Elfenbeinküste sogar gefährliche und gesundheitsgefährdende Tätigkeiten. Das entspricht einem Anstieg um 18% im Vergleich zu 2008/09. Schätzungsweise 70% des weltweit gehandelten Kakaos werden in Westafrika angebaut. Make Chocolate Fair! fordert die Schokoladenunternehmen dazu auf, gegen missbräuchliche Kinderarbeit noch rigoroser vorzugehen und Kakaobauern einen höheren Preis für die Bohnen zu zahlen.

In der Elfenbeinküste stieg die Anzahl von Kindern in gesundheitsgefährdenden Arbeitsverhältnissen zwischen 2008/09 und 2013/14 um 46%. Sie verrichten Arbeiten, die nach internationalem Gesetz für Kinder unter 17 Jahren verboten sind. Dazu gehören das Roden von Land, das Heben schwerer Lasten, überlange Arbeitszeiten und der ständige Kontakt mit landwirtschaftlichen Chemikalien. In Ghana fiel der Anteil von Kindern, die unter gefährlichen Bedingungen arbeiten, um etwa 6% auf 0,88 Millionen. 2010 hat die Schokoladenindustrie versprochen, bis zum Jahr 2020 missbräuchliche Kinderarbeit zu eliminieren. Um das Versprechen einhalten zu können, müssen laut dem Tulane-Bericht 1,5 Millionen Kinder erreicht werden.

„Kinderarbeit ist die Folge von Armut. Wenn die Schokoladenindustrie ihr Versprechen ernst meint, Kinderarbeit bis 2020 um 70% zu reduzieren, muss die Armut unter Kakaobauernfamilien bekämpft werden“, erklärt Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne Make Chocolate Fair! „Viele Projekte der Industrie zielen auf eine Erhöhung der Produktivität ab. Doch für die Kakaobäuerinnen und -bauern bedeutet das nicht zwangsläufig ein höheres Einkommen, da sich mit steigender Produktivität ebenso ihr Arbeitsaufwand und ihre Investitionen erhöhen. Wegen des zu geringen Kakaopreises, den Kakaobäuerinnen und -bauern für ihr Produkt erhalten, fehlt das Geld, um ErntehelferInnen einzustellen. Kinder müssen dann diese Lücke füllen. In Kombination mit der zunehmenden Anwendung landwirtschaftlicher Chemikalien wird die Situation unverantwortlich.“

Sowohl in Ghana als auch in der Elfenbeinküste ließ sich in den Jahren zwischen den beiden Erhebungszeiträumen ein enormer Zuwachs an Produktivität um 30% bzw. 40% feststellen. Doch damit stieg auch der Gebrauch von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden immens an. Insgesamt 480.000 Kinder in Ghana und der Elfenbeinküste sind diesen Chemikalien derzeit permanent ausgesetzt.

 

Das kürzlich erschienene Kakao-Barometer wies nach, dass das Pro-Kopf-Einkommen der meisten Kakaobäuerinnen und -bauern noch weit unter der global anerkannten Armutsgrenze liegt. Ein Kakaobauer in der Elfenbeinküste müsste das Vierfache seines derzeitigen Einkommens verdienen, um die globale Armutsgrenze von 2 US-Dollar am Tag zu erreichen.

Erfahren Sie mehr über die Studie:

    Tulane Universität: Forschungsarbeit zu Kinderarbeit im Kakaosektor [engl.]
    Frequently Asked Questions [engl.]
    Deutsche Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
    Artikel auf Spiegel Online zur Kampagne und zum Thema Kinderarbeit im Kakaoanbau