Offener Brief gegen Rassismus im Kakaosektor auf Deutsch veröffentlicht

23.08.2021

Anlässlich des Gedenktags an das formale Ende der Sklaverei in den USA solidarisierte sich INKOTA zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen (NRO) bereits im Juni in einem offenen Brief mit all denen, die sich weltweit gegen rassistische Ungerechtigkeit einsetzen. Heute, am Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung (23. August) veröffentlicht INKOTA den Brief auch in der deutschen Fassung.

In dem Brief fordern INKOTA und 29 andere NRO aus Afrika, Amerika und Europa, die koloniale Vergangenheit und das Fortbestehen rassistischer Ungerechtigkeiten im Kakaosektor anzuerkennen und entschieden zu bekämpfen. Es ist höchste Zeit für einen nachhaltigeren, inklusiven und gerechten Kakaosektor!

Probleme im Kakaosektor tief im Kolonialismus und in weißer Vorherrschaft verwurzelt

Die Handelsströme im Kakaosektor haben sich seit der Kolonialzeit kaum verändert: Kakao wird hauptsächlich in Westafrika, Lateinamerika und Südostasien angebaut, aber die meiste Schokolade weltweit wird in den Ländern der ehemaligen Kolonialmächte in Europa und Nordamerika produziert und konsumiert.

In Westafrika ist der Kakaoanbau seit dem 19. Jahrhundert untrennbar mit Sklaverei und Kolonialismus verbunden. Heute ist hinlänglich bewiesen, dass es im Kakaosektor viele Formen illegaler Arbeit gibt – vor allem in Westafrika. Kaum eine Kakaobäuerinnen oder ein Kakaobauer in Westafrika verfügt über ein existenzsicherndes Einkommen. Die Mehrheit von ihnen lebt mit einem Einkommen von weniger als 1 US-Dollar pro Tag weit unter der internationalen Armutsgrenze (1,90 US-Dollar). Die Armut der Kakaobäuerinnen und -bauern ist eine direkte Folge der kolonialen Vergangenheit und rassistischen Ungerechtigkeit im Kakaosektor.

Noch immer arbeiten etwa 1,5 Millionen Kinder im Kakaosektor - viele von ihnen unter ausbeuterischen Bedingungen. Die Gewalt gegen Schwarze Kinder und Kinder of Colour im Kakaosektor ist besonders empörend. Die seit 20 Jahren fehlenden Fortschritte zur Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaosektor sind exemplarisch für die Missachtung Schwarzen Lebens.

Die Konsumentenländer wie Deutschland die internationalen Schokoladenfirmen mit ihren Hauptsitzen im globalen Norden profitieren nach wie vor von Jahrhunderten der Sklaverei und des Kolonialismus. Diese Länder müssen für frühere sowie fortbestehende Schäden aufkommen. Die Kakao- und Schokoladenindustrie muss endlich existenzsichernde Preise für Kakao weltweit bezahlen. Das Machtungleichgewicht in der Kakaolieferkette muss durch Investitionen und Steigerung der Kakaoverarbeitung und Produktionskapazitäten in den Erzeugerländern verändert werden.

Rassismus in den eigenen Reihen erkennen und bekämpfen

Aber auch rassistische Strukturen und Arbeitsweisen innerhalb der NRO im globalen Norden sowie in der Zusammenarbeit mit dem globalen Süden werden in dem Brief anerkannt. Die unterzeichnenden Organisationen verpflichten sich daher zu einer Reihe konkreter Maßnahmen, um den strukturellen Rassismus in den eigenen Reihen besser zu erkennen und abzubauen.

Lest hier den vollständigen offenen Brief auf Deutsch.