INKOTA organisiert Tagung zu Ansätzen zur Einkommenssteigerung von Kakaobauern

18.05.2017

Der Preisverfall des Kakaos in den letzten Monaten hat es noch einmal verdeutlicht: Für Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern ist die Situation im Kakaoanbau untragbar. Armut und missbräuchliche Kinderarbeit sind in den Anbaugebieten in Westafrika an der Tagesordnung. So weitergehen wie bisher kann es nicht – darüber herrscht mittlerweile auch in der Kakaobranche weitgehender Konsens.

In den vergangenen Jahren haben Unternehmen, standardsetzende Organisationen und die Entwicklungszusammenarbeit eine Reihe von Nachhaltigkeitsprojekten durchgeführt, um die Situation der Kakaobäuerinnen und -bauern zu verbessern. Die meisten dieser Projekte konzentrierten sich auf das Ziel, durch Schulungen in sog. „guter landwirtschaftlicher Praxis“ die Erträge pro Hektar zu steigern. Viele Projekte schlugen jedoch fehl, denn die Bauern und Bäuerinnen verfügten nicht über die nötigen finanziellen Mittel zur Verbesserung der Produktionsmethoden und zur Verjüngung der Plantagen. Die Suche nach anderen Möglichkeiten, die Situation der Kleinbäuerinnen und -bauern zu verbessern, ist deshalb dringend geboten.

Zu diesem Zweck hat INKOTA am 16.5.2017 in Bonn gemeinsam mit dem Südwind-Institut eine Tagung unter dem Titel „Alternative Ansätze zur Einkommenssteigerung von Kakaobäuerinnen und -bauern“ organisiert. VertreterInnen von Kakaokooperativen, Unternehmen, der Entwicklungszusammenarbeit und der Zivilgesellschaft diskutierten dort einen ganzen Tag lang über verschiedene Lösungsansätze: Welche Potentiale bieten garantierte Mindestpreise und flexible Prämien – und unter welchen Voraussetzungen können diese funktionieren? Welche Chancen und Gefahren birgt der Vertragsanbau? Sind Versicherungen gegen Ernteausfälle im Kakaoanbau umsetzbar? Und welche Rolle können Agroforstsysteme bei der Diversifizierung von Einkommensquellen spielen?

In der Diskussion konnte auf Erfahrungen aus anderen Sektoren und in einigen Bereichen auch auf Experimente im Kakaosektor zurückgegriffen werden – wie zum Beispiel das Prämiensystem des niederländischen Schokoladenherstellers Tony´s Chocolonely oder die Agroforstprojekte von Chocolats Halba in Ecuador und in Ghana oder inklusive Geschäftsmodelle von Ritter Sport in Nicaragua. Einen Höhepunkt der Tagung bildete der Vortrag von Samuel Adimado, dem Geschäftsführer des Handelszweigs der ghanaischen Kakao-Kooperative Kuapa Kokoo, der die Mitglieder der Kooperative selbst zu Wort kommen und von ihren Problemen und Forderungen berichten ließ.

Die Diskussionen im Verlauf des Tages machten deutlich: Bis zu einem fairen und nachhaltigen Kakaosektor ist es noch ein weiter Weg. Doch es bleibt auch eine positive Erkenntnis: Bezüglich flexibler Prämien und Diversifizierung gibt es bereits erste, erfolgsversprechenden Ansätze, an die sich anknüpfen lässt. Die Diskussion um solche Ansätze sollte in den kommenden Monaten vertieft werden.

Eine ausführliche Dokumentation der Tagung finden Sie hier.