Kakaopreise und Einkommen für Kakaobauern

Wenige Konzerne dominieren die Verarbeitung von Kakao und die Produktion von Schokolade. Allein die Unternehmen Mars, Mondelez, Nestlé, Ferrero und Hershey’s kontrollieren zusammen rund 60 Prozent des globalen Schokoladenmarktes. Der jährliche Nettoumsatz der Schokoladenindustrie beträgt rund 100 Milliarden US-Dollar. Auch die wenigen großen Supermarktketten spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Marktanteil der Eigenmarken des Einzelhandels beträgt in Deutschland rund 30%.

Dieser Marktmacht stehen 5,5 Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern gegenüber. Für die meisten von ihnen ist der Kakaoanbau die mit Abstand wichtigste Einkommensquelle. Vom Preis, den die KonsumentInnen in Deutschland für eine Tafel Schokolade ausgeben, kommen nur etwa 6% bei den Kakaobäuerinnen und -bauern an.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn sich das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern verdoppeln würde, müsste sich dafür nicht unbedingt auch der Preis der Schokolade verdoppeln.

Niedrige und schwankende Kakaopreise

Lange Zeit galt der Anbau von Kakao in Westafrika als Garant für ein sicheres Einkommen. Doch seit 1980 ist der Kakaopreis inflationsbereinigt um fast die Hälfte gesunken. Starke Preisschwankungen führen zu einer geringen Planungs- und Einkommenssicherheit für die Kakaobäuerinnen und Bauern. Allein von Mitte 2015 bis Ende 2017 ist der Kakaopreis um 40% gefallen. Aufgrund einer Rekordernte in der Elfenbeinküste überstieg das Angebot an Kakaobohnen die Nachfrage und der Preis stürzte in den Keller.

Preisentwicklung Kakao Der sinkende Kakaopreis hatte dramatische Folgen in den Anbauländern. Die Bauern und Bäuerinnen erlitten massive Einkommensverluste. In der Elfenbeinküste mussten sogar die Staatsausgaben wegen der verlorenen Exporteinnahmen um fast zehn Prozent gekürzt werden.

Abrupte Preisschwankungen können viele Gründe haben: Ernteausfälle durch Krankheits- oder Schädlingsbefall, widrige Witterungsumstände oder politische Unruhen in den Anbaugebieten. Doch auch Spekulanten und zahlreiche Hedgefonds mischen im Kakaohandel mit und machen gezielt Geschäfte mit schwankenden Kakaopreisen. Während die schwankenden Preise für die Kleinbäuerinnen und -bauern ein existenzielles Desaster bedeuten, können Unternehmen sich besser gegen Preisschwankungen absichern.

Was ist ein fairer Preis?

Der Preis für Kakaobohnen ist erst dann fair, wenn er ein existenzsicherndes Einkommen für die Kakaobäuerinnen und -bauern ermöglicht. Ein existenzsicherndes Einkommen muss die Grundbedürfnisse der Kakaobauernfamilien abdecken. Dazu zählen eine angemessene Unterkunft, gesunde Ernährung, sauberes Trinkwasser, eine ausreichende Gesundheitsvorsorge, Geld für Bildung, Mobilität und Rücklagen für Ernteausfälle und Krankheitsfälle. Aber auch die Investitionskosten in die Kakaoplantage müssen abgedeckt sein.

Existenzsicherndes EinkommenWie hoch ein existenzsicherndes Einkommen und ein entsprechender existenzsichernder Preis liegen muss, unterscheidet sich je nach Anbauregion und wird durch viele Faktoren beeinflusst. Sowohl die Größe der Anbaufläche, als auch die Anzahl der Familienmitglieder und der Grad der Kakaoabhängigkeit spielen eine Rolle.

Die Zertifizierungsorganisation Fairtrade hat einen Referenzpreis für existenzsichernde Einkommen berechnet. Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste, die über ausreichend große Flächen verfügen und angemessene Erträge produzieren, müssten demnach einen Ab-Hof-Preis von 2.200 US-Dollar pro Tonne Kakao bekommen. Tatsächlich liegt der Ab-Hof-Preis in der Elfenbeinküste aktuell bei rund 1.250 US-Dollar pro Tonne (Stand: Oktober 2019).

Die meisten Kakaobauernfamilien leben unter der Armutsgrenze

Eine typische Kakaobauernfamilie in Ghana mit sechs Mitgliedern und bis zu vier Hektar Land verdient im Durchschnitt umgerechnet 191 US-Dollar im Monat. Existenzsichernd wäre hingegen ein Einkommen von rund 395 US-Dollar – also etwas mehr als doppelt so viel.

Noch dramatischer sieht die Situation in der Elfenbeinküste aus: Hier müsste sich das Einkommen im Durchschnitt fast verdreifachen, um existenzsichernd zu sein.

Auch bei zertifiziertem Kakao sieht die Situation nicht viel besser aus: Obwohl die Kakaobäuerinnen und –bauern zusätzliche Prämien erhalten, lebt die Mehrheit von ihnen unter der Armutsgrenze.

Existenzsicherndes Einkommen

Anbauländer regulieren Kakaopreise

In den beiden Hauptanbauländern von Kakao, Elfenbeinküste und Ghana, wird der Kakaopreis staatlich festgelegt. Die jeweilig zuständigen Vermarktungsplattformen legen zu Beginn der Erntezeit den garantierten Preis fest, der an die Kakaobäuerinnen und –bauern gezahlt werden muss. Eine Stärke dieses Modells ist, dass es den Bäuerinnen und Bauern mehr Stabilität bietet und Planungssicherheit ermöglicht. Der Prozess zur Festlegung des Preises ist jedoch wenig transparent, ebenso wie die staatlichen Ausgaben für die Kakaopolitik. Die Kakaobäuerinnen und –bauern haben auf beides bisher so gut wie keinen Einfluss.

 

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